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November 22, 2013

Hannah Dübgen

Als erste Vorleserin des Wintersemesters 2013/14 durften wir die Debütautorin Hannah Dübgen begrüßen!

Nachdem sie beim Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis schon üben konnte, saß die zierliche Autorin an einem Tisch im Philosophicum und stellte dem Publikum im Laufe der Lesung gekonnt die vier Protagonisten ihres Romans Strom vor:

In Kapitel 1 begibt sich Jason in Japan in den Strom der Menge in der Metropole Tokio und bekommt mittelbar über seine Arbeit am Computer ein Bewusstsein für die heutige schnelle, globalisierte Welt. In Kapitel 11 treffen wir Makiko in Paris, für die es nichts wichtigeres gibt, als im Fluss zu bleiben und mit der Strömung zu gehen obwohl ihr mehrere Steine in den Weg gelegt werden. Dübgen liest diesen Teil schnell und atemlos und spiegelt in ihren Gesten ihre Figuren wider.
Hannah Dübgen erzählt zwischendurch ein bisschen über das Buch um die Übergänge zu glätten, denn als nächstes springt die Lesung zu Kapitel 18 in dem Ada in Israel die Asche ihrer verstorbenen Freundin verstreuen möchte und den Lesern und Zuhörern prägnante Beobachtungen von nationalen Eigenheiten vermittelt. Auch der Spanier Luis befinde sich in Israel und forscht dort über den Strom der Zugvögel. Er steht zwischen zwei Frauen und durchlebt in seiner Geschichte viele zwischenmenschliche Probleme. Unvermittelt beendet Dübgen ihre Lesung mit einem Cliffhanger.

Wirkte die junge Autorin während des Vortrags zurückgezogen und ein bisschen fremd, so dreht sich der Eindruck in der anschließenden Fragerunde um 180 Grad und Dübgen baut eine große Nähe zum Publikum auf, schon alleine dadurch, dass sie alle duzt. Wir erfahren, dass das Buch eine Mischung aus eigenen Erfahrungen (sie war tatsächich schon in jedem Land, um das es in dem Roman geht und hat dabei die interkulturellen Kommunikationshürden selbst erlebt) und intensiver Recherche ist (der Leser kann z. B. viel über Ornithologie und Wirtschaft lernen). Hannah Dübgen gewährt tiefe Einblicke in den Schreibprozess und erklärt beispielsweise, wie man das Gefühl von Gleichzeitigkeit in einer Romanhandlung aufkommen lässt.

Am Schluss der Veranstaltung spielt Dübgen Glücksfee und übergibt einer glücklichen Gewinnerin das Verlosungsexemplar von Strom.